Historisches aus und um Pötzscha
Kurzporträt der kleinen Gemeinde Pötzscha - heute ein Ortsteil des bekannten Erholungsortes Stadt Wehlen
Pötzscha wurde das erste mal 1501 als Betzscha in der "Reimannsch'en Karte" erwähnt und damit gilt dieses Datum als "Gründungsdatum" von Pötzscha. Der Ort ist mit Sicherheit schon viel älter, denn schon zu erwähnter Zeit werden 8 bessene mennre genannt, was den Rückschluss zulässt, dass die von Heimatforscher Heinz Ruscher aus Sebnitz genannten Daten 1441 und 1456 als eher zutreffend angenommen werden können. Pötzscha, ursprünglich "kleines Fischerdorf" genannt, dessen Einwohner sich vom Fischfang und wenig Landwirtschaft ernährten, liegt am linken Ufer der Elbe, genau der Stadt Wehlen gegenüber und hat gemeinsame Ortsgrenzen im Osten mit Kurort Rathen, im Südosten mit Weißig, im Süden mit Naundorf, im Südwesten mit Pirna und im Norden begrenzt die Elbe den Ort. Diese 8 bewohnten Grundstücke bestehen jetzt seit mehreren Jahrhunderten und bilden heute noch den Ortskern. Erst 1832/33 kam das 9. Grundstück hinzu, es war die Bomelken Mühle an der Ortsgrenze zu Pirna (früher Obervogelgesang).
Im Bild das 2. Haus von rechts ist das heute bekannte Gasthaus &
Pension "Bauernhäus´l". Seit der 1.Erwähnung bis ca. 1569 gehörte
Pötzscha zum Unteramt Rathen, das heißt, die Gemeinde Pötzscha erhielt
von dort ihre Befehle. In Pötzscha gab es zu dieser Zeit auch nur einen
Heimbürgen, keinen Ortsrichter. Das änderte sich erst dann, als Pötzscha
direkt zum Amt Pirna gehörte. Ihre Frondienste mussten die Pötzschaer
auf der Festung Königstein verrichten. Eingepfarrt war Pötzscha seit
jeher (bis 1942) in der Parochie Struppen und eingeschult wurden die
Kinder in der Schule zu Naundorf und ab der 2. Hälfte des 20. Jhd. in
Stadt Wehlen. In den Pötzschaer Fluren gab es in früheren Jahren bis zu
12 Steinbrüche, wovon allein 8 Brüche im Gebiet des Gansfelsmassives
(zwischen Pötzscha und Rathen, Ausläufer der Rauensteine) lagen. Die
ersten Steinbrüche wurden schon Mitte des 17. Jhd. genannt. Der Bau der
Eisenbahnstrecke Pirna - Bodenbach ab dem Jahr 1847 machte den Ort
überhaupt erst bekannt, denn Pötzscha, damals noch Petzschkaw oder
Pötzschau genannt, erhielt beim Bau der Bahnstrecke einen Haltepunkt und
war damit an die große, weite Welt angeschlossen. Der Bau der
Bahnstrecke hatte aber zur Folge, dass alle Steinbrüche, die eine
unmittelbare Verbindung zu Elbe hatten, also im Gefährdungsbereich der
Bahn lagen, aus Sicherheitsgründen geschlossen werden mussten. So
blieben nur noch zwei Brüche in der Ortslage in Betrieb. Ein weiterer
Steinbruch in Richtung Obervogelgesang wurde ausschließlich zum Zwecke
des Bahnbaues aufrecht erhalten. Außerdem musste der Betrieb der
"Bomelken Mühle" eingestellt werden, da ihr durch den Bahnbau der
einzige Zuweg (zur Elbe und zum alten Kommunikationsweg) abgeschnitten
war. Überhaupt wurde Pötzscha durch den Bahnbau flurmäßig in zwei
Hälften geteilt, was zu mancher Komplikation führte, denn die Flurstücke
reichten früher vor dem Bahnbau, in Nord- Süd-Richtung, meist von der
Elbe bis zur Ortsgrenze nach Naundorf.
Der kleine Ort Pötzscha wurde zusehends bekannter, da sich mit der
Eröffnung der Bahnstrecke auch der Tourismus rasch entwickelte. In Stadt
Wehlen und Pötzscha war nun eine sehr bekannte und außerdem größte
Station für "Schweizführer" der Sächsischen Schweiz niedergelassen, so
warteten zum Beispiel die "Schweizführer" damals nicht nur an der
Dampfschiffhaltestelle in Wehlen, sondern auch am Bahnhof in Pötzscha
auf die "Herrschaften", wie die Ausflügler genannt wurden. In Wehlen mit
Pötzscha waren in ihrer Blütezeit immerhin mehr als 40 Schweizführer in
Lohn und Brot. Früher fuhr man nämlich mit der Postkutsche oder anderen
Fuhrwerken über Lohmen in das "Meißner Hochland", wie unsere Sächsische
Schweiz genannt wurde, da war unsere engere Heimat meist nicht der
Startplatz für Wanderungen, schon gar nicht Pötzscha.
Mit dem
steigenden Tourismus entwickelten sich auch das Beherbergungswesen und
das Gaststättenwesen in unserem Ort. 1854 wurde die 1.Gaststätte vom
Ortsrichter Mildner (heute Fährstraße) in Pötzscha eröffnet, ihr folgte
in den 70er Jahren des 19. Jhd. das Stange'sche Gasthaus (auf der
hinteren Bahnhofstraße) und dann wurde 1910 die Bauernschenke von Max
Haug (später Bauernhäus'l) eröffnet.
In der 1. Hälfte des 20. Jhd. öffnete noch das "Cafe und Konditorei" Gebler auf der Fährstraße (heute Gaststätte zur Fähre) seine Pforten. Diesem Cafe & Konditorei ging die im Jahr 1884 genannte "Zuckerbäckerei Kirsten" und 1903 genannte "Pfefferküchlerei Gebler" auf dem heutigen Bergweg voraus.
Appropos Fähre, zwischen Stadt Wehlen und Pötzscha besteht seit 12.Juni 1771 eine offizielle Fährverbindung, wobei das Fährrecht vorerst nur den Wehlenern vorbehalten war, wurde dieses später aber Wehlen und Pötzscha zu gleichen Teilen zugesprochen.


u den bekannten Persönlichkeiten in Pötzscha gehört der Lehrer und Schriftsteller Friedrich Jahnke, der ein Schauspiel und eine Arie für die Wehlener Burgfestspiele 1906 und 1908 schrieb. Zu den weiteren Persönlichkeiten des Ortes gehörte Prof. Dr. Richard Mucke, der um 1900 an der Universität in Leipzig lehrte.
In der 1.Hälfte des 20.Jhd. (um 1929) gab es in Pötzscha eine Dampfschiffanlegestelle und ein Elbebad. Die Dampfschiff-anlegestelle befand sich, wie der Name schon sagt, am Dampfschiffplatz. 1939 wurde das Elbebad von Herrn Pietzsch in das städtische Elbebad an der Hofewiese in Stadt Wehlen eingegliedert. Herr Pietzsch erhielt im städtischen Bad einen eigenen Bereich zugeteilt. Der Geschäftsbetrieb an der Anlegestelle für Personendampfer am Dampfschiffplatz wurde 1944 eingestellt. Das Elbebad von Herrn Pietzsch befand sich unterhalb der "Villa Dorpat".


Auch um der steigenden Nachfrage an Übernachtungen gerecht zu werden, folgte 1925/26 der Bau der "Pension Bergwart" (später Berghof). Pötzscha musste sich, um der Nachfrage an Gästen gerecht zu werden, sogar ein Gästeamt im Gemeindehaus einrichten. Die Bauernschänke (später das Bauernhäus´l) entwickelte sich in den 20er Jahren des 20. Jhd. zum Besuchermagnet. Weit über die Landesgrenzen hinaus genoss dieses Lokal einen guten Ruf. Die Trinkwasserversorgung im Ort erfolgte bis zum Bau einer zentralen Wasserleitung über eine Brunnenanlage in jedem Wohngrundstück.
1920 gab es in Pötzscha ca. 20 Wohngrundstücke, also ebensoviel Brunnen. Nach jahrelangem Ringen erhielt Pötzscha im Mai 1922 (offizielle Übergabe) diese Wasserleitung. Am 01.April 1939, anlässlich einer Gemeindegebietsreform, wurde die bis dato selbstständige Gemeinde als Ortsteil nach Stadt Wehlen eingegliedert.
Ein paar Zahlen zu Pötzscha's Geschichte:
- 1501 bis 1832 sind in Pötzscha 8 Haushalte angegeben
- 1840 sind es 8 Haushalte und 47 !!! Konsumenten
Die Einwohner lt. Einwohnerverzeichnis von
- 1903: 150
- 1932: 400
- 1938: 435
- heute ca. 400
Die flächenmäßige Ausdehnung von Pötzscha wird 1548 mit 2 Hufen (ca. 40 ha) angegeben.
Stand: Juli 2007
Aufgeschrieben von: Wolfgang Thomas

